Modellannahmen und Grenzen
Jedes Energiemodell beruht auf Annahmen. Niemand weiß genau, wie oft Ihr Haushalt ein Fenster öffnet, aus welchen Schichten Ihre Wände bestehen oder welches Wetter der nächste Winter bringt. Ein Modell füllt diese Lücken mit offengelegten Annahmen und beantwortet damit seine jeweilige Frage.
Auch Normen und professionelle Werkzeuge arbeiten so. Oft legen sie Annahmen bewusst fest. Ein Energieausweis geht von einer standardisierten Nutzung und Belegung des Hauses aus, damit Gebäude fair verglichen werden können (so erklärt es die schottische Regierung ). PVGIS, das Solaranlagentool der Europäischen Kommission, verwendet zunächst einen Standardwert für Systemverluste. Wer bessere Angaben hat, kann ihn ändern (siehe das Benutzerhandbuch ).
EnergyFlow geht genauso vor und legt seine Annahmen hier offen. Ein Lauf vergleicht Optionen für Ihr Haus unter gleichen Bedingungen: eine Wärmepumpe mit einer anderen, Verschattung mit keiner Verschattung oder eine größere mit einer kleineren Batterie. Dafür müssen die Annahmen offengelegt werden und in beiden Läufen gleich bleiben. Ein Lauf ist keine Vorhersage Ihrer nächsten Rechnung und wird auch nicht als solche dargestellt.
Unsere Annahmen
- Zonen entsprechen Geschossen. Jedes Geschoss ist eine thermische Zone, also ein Teil des Hauses, den das Modell als einen Luftraum mit einer Temperatur behandelt. Räume mit anderem Verhalten, etwa eine unbeheizte Garage, bilden eigene Zonen. Die Eingabe bleibt dadurch kurz. Die Temperaturen sind Durchschnittswerte für das Geschoss und keine Raumwerte.
- Innenräume werden nicht gezeichnet. Trennwände und Möbel sind vereinfacht abgebildet, und der Assistent fragt nicht danach.
- Fenster werden als Fläche je Außenfassade beschrieben. Für alle Fenster gelten dieselben Glaswerte: wie gut das Glas Wärme zurückhält (U-Wert) und wie viel Sonnenwärme es durchlässt (g-Wert). Die genaue Position eines Fensters an der Wand wird nicht modelliert. Schatten durch Bäume, Nachbargebäude und Dachüberstände ebenfalls nicht. Außenjalousien schließen, wenn die Sonneneinstrahlung auf das Fenster eine feste Stärke überschreitet und die Außenluft über 10 °C liegt. Rollläden verwenden denselben Sonnenschwellenwert, schließen aber erst bei mehr als 20 °C draußen. An kühleren Tagen bleibt dadurch Tageslicht im Raum.
- Der Luftaustausch ist vereinfacht. Die Luftdichtheit, also wie viel Luft durch die Gebäudehülle entweicht, wird zunächst anhand des Baujahrs mit einem einzigen Wert angesetzt. Sie können einen Messwert eintragen. Angegeben wird n50, die Zahl der Luftwechsel pro Stunde bei einem Blower-Door-Test mit festgelegtem Prüfdruck. Das Treppenhaus ist eine Öffnung zwischen den Geschossen.
- Das Öffnen der Fenster folgt einer festen Regel: ein gleichmäßiger Grundluftwechsel und zusätzliche nächtliche Lüftung im Sommer, wenn das Haus keine Kühlung hat. Das Modell bildet das Verhalten Ihres Haushalts nicht nach.
- Das Erdreich ist allgemein angesetzt. Seine Temperatur bestimmt, wie viel Wärme der Boden verliert. Sie folgt unabhängig vom Standort einem festen Monatsprofil zwischen 7 und 18 °C.
- Zeitpläne sind teilweise vorgegeben. Anwesenheit folgt einem von drei Tagesmustern, der Warmwasserverbrauch richtet sich nach der Haushaltsgröße, der Haushaltsstrom ist ein Jahreswert mit einem Tagesprofil und die Heiz- und Kühltemperaturen bestehen aus Tages- und Nachtwerten, die ganzjährig gleich bleiben. Autofahrten werden für eine typische Woche tageweise eingetragen. Urlaube, Abwesenheiten und wechselnde Gewohnheiten werden nicht modelliert.
- Geräte verwenden repräsentative Leistungsdaten für ihren Typ und ihre Leistungsklasse. Sie entsprechen weder genau Ihrem Produkt noch einer bestimmten Installation. Zwei Wärmepumpen gleicher Größe können Leistung und Wirkungsgrad unterschiedlich schnell verlieren, wenn die Außenluft kälter wird. Das beschreibt die Leistungskurve im Datenblatt. Das Modell verwendet eine repräsentative Kurve des jeweiligen Typs.
- Das Wetter kommt aus einer Datei. Ein typisches Jahr (ein aus mehreren realen Jahren zusammengestelltes, durchschnittlich wirkendes Jahr) wird aus den letzten 15 Jahren an Ihren Koordinaten erstellt und hat so nie stattgefunden. Ein tatsächliches Jahr stammt aus einer Reanalyse, also aus einem Wettermodell, das mit Beobachtungen aus aller Welt kombiniert wurde, nicht aus einer Station neben Ihrem Haus.
- Stromflüsse werden in vollen Stunden berechnet. Kurze Spitzen innerhalb einer Stunde gehen daher in den Mittelwert ein. Tarife stammen aus Ihren Eingaben oder aus den von uns für Ihr Land gespeicherten Werten.
Ergebnisse richtig einordnen
Jeder Artikel in diesem Abschnitt endet mit den Grenzen seines Themas. Zusammengenommen bedeuten sie, dass ein Modellwert eine Schätzung für das von Ihnen beschriebene Haus ist. Nutzen Sie ihn, um Szenarien zu vergleichen und bessere Fragen für ein Gespräch mit einem Architekten, Energieberater oder Installateur vorzubereiten. Diese Fachleute können prüfen, was ein Modell nicht sieht: den Standort, die Produkte, die Vorschriften und die Installation. Lassen Sie Ihre Szenarien prüfen, bevor Sie Geräte bestellen oder bauen.